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FOTOGRAFIEN & HINTERGRÜNDE

[ota•ku]

Das japanische Wort otaku bezeichnet etwas, dass mehr als eine Leidenschaft und weniger als eine Obsession ist. Mein Otaku ist die Fotografie und das Erzählen von Geschichten. Hinter jedem meiner Bilder versteckt sich eine Geschichte die recherchiert wurde. Die Ästhetik der Motive ist die Eingangstür zu etwas Vergessenem. Mein Otaku ist Motivation, solche Orte zu finden, zu verstehen und sie darzustellen – in Bildern und Worten.

LATITUDE 43

Mein Buch Latitude 43 zeigt eine Serie von Fotografien des gleichnamigen Hotels in Saint-Tropez, die in den vergangenen zwei Jahren entstanden ist. Es erzählt die bemerkenswerte Entstehungsgeschichte des wichtigsten Werks des französischen Architekten Georges-Henri Pingusson (26. Juli 1894 in Clermont-Ferrand; † 22. Oktober 1978 in Paris). Pingusson war ein wichtiger Vertreter des Movement Moderne, einer architektonischen Stilrichtung, die sich zeitgleich auch in anderen europäischen Ländern entwickelte und unter Namen wie Neues Bauen, Neue Sachlichkeit (Deutschland) oder De Stijl (Niederlande) bekannt wurde. Ziel dieser Richtung war eine Rationalisierung und Typisierung von Gebäuden, die Verwendung moderner Werkstoffe und Materialien. Die funktionale Bauweise und sachlich-schlichte Innenausstattung wurde einer Sozialverantwortung und Verbesserung der Lebensqualität (viel Sonne, Luft und Licht) gegenüber den Bewohnern gerecht, die bis dato häufig in Mietskasernen mit dunklen Hinterhöfen und beengten Räum wohnten.

Seit meiner Auseinandersetzung mit dem Latitude 43 erfahre ich häufig, dass dieses Meisterwerk der Architektur einen sehr geringen Bekanntheitsgrad genießt. Nur wenigen Leuten ist das Bauwerk bekannt, die meisten kennen seine Geschichte nicht.

Ist es vielleicht die weiße und sachliche Form des Gebäudes, die gar nicht in die provenciale Landschaft von Saint-Tropez mit seinen ockerfarbigen Häusern passt?

War es doch dieser „Fremdkörper“, den ich zum ersten Mal in den 90iger Jahren erblickte und der meine Kuriosität schürte.  Wer diesen Kontrast besser im Kontext der Zeitgeschichte verstehen möchte, dem empfehle ich den Film „Und immer lockt das Weib“, der 1956 entstand und den Mythos seiner berühmtesten Einwohnerin von Saint-Tropez begründete, Brigitte Bardot.

Ungeachtet einer trivialen Geschichte eröffnet der Film seltene Einblicke in das ursprüngliche Fischerdorf Saint-Tropez der 50iger Jahre. Bedenkt man, dass zu diesem Zeitpunkt das Latitude 43 bereits 20 Jahre alt war, kann man erahnen, wie dieses utopisch anmutende Bauwerk auf die Einwohner 1936 gewirkt haben muss.

Heute besteht das Latitude 43 aus Eigentumswohnungen. Seine Bewohner, denen ich mein Buch gewidmet habe, erhalten ein wichtiges Denkmal der französischen Architekturgeschichte.

Buchbestellungen unter: info@helmut-giersiefen.de